Keine Sorge, wir retten euch Afrika! Vom Kolonialherren zum Social Entrepreneur

In diesem Artikel berichte ich von meiner Erfahrung, als junger Mensch, der die Welt positiv verändern möchte und sich dabei auf dem schmalen Grat zwischen helfen und schaden bewegt. 

Vom Kolonialherren zum Samariter

Der Wettlauf um Afrika und die damit fast komplette Kolonialisierung des Landes beginnt im Jahr 1876 mit der Gründung der Internationalen Afrikanischen Gesellschaft und endet 100 Jahre später mit der Unabhängigkeit der britischen Kronkolonie Seychellen.

Der Kontinent wurde unter den europäischen Mächten aufgeteilt und entscheidende Stellen im Verwaltungsapparat der Länder besetzt. In Traditionen und Kultur flossen westliche Werte mit ein und Wirtschaftsweisen wurden verändert.

Noch heute sind die Spuren und Folgen der Kolonialisierung erkennbar.

Im 21. Jahrhundert verfolgen wir einen anderen Plan. Anstatt die Afrikaner zu unterdrücken, foltern und zu versklaven zeigen wir jetzt Mitleid und wollen helfen.

Wissen wir Europäer es wirklich besser?

Wir gründen Initiativen, Organisationen, Social-Startups, Crowdfunding Projekte und und und. 

Ich selbst kam mit dem Thema das erste Mal in Verbindung, als ich mich in einer Studentenverbindung engagierte, die mit unternehmerischen Lösungen wirtschaftlichen Nutzen für Menschen in Not schafft.

Engagement und das Interesse an dem Thema sind wunderbar und für mich war genau das ein erster wichtiger Schritt hin zu mehr Weltverständnis. Das Bedürfnis zu helfen und einer Tätigkeit nachzugehen, die einem größeren gesellschaftlichen Ziel dient, kann ich komplett nachvollziehen. Genau hier ist auch der “Funke” auf mich übergesprungen.

Jede Idee die versucht die großen Probleme der Welt zu lösen ist erstmal wertvoll.

Nur stellte ich mir irgendwann die Fragen: 

“Warum soll ausgerechnet ich eigentlich in der Lage dazu sein, Menschen zu helfen, die auf der anderen Seite der Welt leben? Ich kenne sie nicht. Ich kenne nicht ihre Probleme. Ich kenne nicht ihre Sitten, Bräuche, Religionen, ihren Alltag und all das.

“Wie kann ich für mich selbst das Urteil fällen, dass diese Menschen meine Hilfe überhaupt benötigen und annehmen?.”

“Wieso weiß ich es besser?.”

Und genau in dieser Frage liegt das Problem vergraben.

Die Sache mit dem Helfer und dem Opfer

Je länger ich mich mit dieser Frage beschäftige, umso mehr gefiel mir das Bild nicht, welches sich in meinem Kopf abzeichnete.

Ein Bild junger Studenten, die sich als ein Helfer-Team für die Armen von Afrika einsetzen.

Diese Helfer- und Opferrolle – der Blick von oben nach unten.

Im weiten Sinne ähnelte diese Denkweise irgendwie der im Kolonialismus.

Um herauszufinden, ob ich mir diesen Zusammenhang in meinen Gedanken nur selbst konstruiert habe, oder ob da irgendetwas dran ist, fing ich an zu recherchieren. 

Handel statt Hilfe – China als Investor in Afrika

Das Handelsvolumen zwischen China und dem Kontinent Afrika übersteigt inzwischen das von den USA und Frankreich. Die angekündigten Direktinvestitionen für die nächsten 3 Jahre Chinas in Afrika übertreffen die von Europa und den USA zusammen.

In dem Buch “In Afrika – Reise in die Zukunft” von Alex Perry, beschreibt Perry in welcher Geschwindigkeit die Chinesen für eine Veränderung auf dem Kontinent sorgen. Eine Form der Veränderung die Europa in den letzten Jahren trotz millionenschwerer Spenden und Kredite nicht hervorrufen konnte.

Vor allem im Bereich der Infrastruktur baut China im Tausch gegen Erdölkonzessionen hunderte Krankenhäuser, Schulen, Straßen, Flughäfen und Universitäten auf.

Die Chinesen wird als Investor und Handelspartner geschätzt, weil an ihr Geld keine Bestimmungen gebunden sind, die über den wesentlichen Deal hinaus gehen.

Niemand gibt ihnen vor, was mit dem Geld zu tun ist.

Afrika sagt was sie benötigen und China liefert es.

In Gesprächen zwischen Alex Perry und einem chinesischen Botschafter erklärte dieser, dass der wesentliche Unterschied zwischen der Entwicklungshilfe Europas und dem neuen Modell Chinas darin bestand, dass China Afrika mit Würde entgegentritt und ihnen ein Gefühl von Selbstbestimmung gibt. Afrika sei damit in der Lage ihre Zukunft selbst zu gestalten. – ‘Trade not Aid

Welche Form der Entwicklungshilfe besser oder schlechter ist, möchte und kann ich selbst nicht bewerten. Die Projekte Chinas sind umstritten und das aus gutem Grund. 

Trotzdem zeigen mir die politischen- und gesellschaftlichen Meinungen zu dem Thema, dass das von mir oben beschriebenen europäischen Bild der “Helfer- und Opferrolle” auch in Afrika als etwas gesehen wird, dass viele Afrikaner in ihrem Gefühl der Selbstbestimmung und Freiheit einschränkt.

Afrika verändert sich selbst. Wir können mit Afrika zusammenarbeiten.

Mir wurde klar, dass wir es einfach nicht besser wissen. 

Aber führt das alles jetzt dazu, dass der Tatendrang junger Menschen eine positive Veränderung zu bewirken, sinnlos ist und langfristig mehr Schaden als Gutes anrichtet?

Nein. 

Mir geht es nur darum, dass man bedachter und überlegter an die Sache ran geht. Wir mehr zuhören, von Menschen lernen, uns austauschen und konkret Nachfragen an welcher Stelle Hilfe benötigt wird. 

Das Bild unserer Zivilisation für den Moment vergessen und nicht als Maßstab und Ziel verwenden.

Die Werte der Freiheit und Selbstbestimmung respektieren, damit die Menschen frei von unserer Vorstellung ihre eigene Welt gestalten.

So stelle ich mir eine zukünftige und nachhaltigen Zusammenarbeit zwischen allen Menschen auf der Welt vor. 

Wir lernen alle voneinander.

Tom.


Quellen:

Alex Perry. (2015). The Rift. A New Afrika Breaks Free. London. Weidenfeld & Nicolson

https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-09/china-afrika-gipfel-wirtschaft-militaer-investitionen-staerkung-seidenstrasse

https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/china-ist-afrikas-wichtigster-investor-statistik-a-1168531.html

http://www.bpb.de/internationales/afrika/afrika/58868/kolonialismus?p=all

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Kolonien_in_Westafrika#Gebietsgr%C3%BCndungen

https://de.wikipedia.org/wiki/Dekolonisation_Afrikas

https://www.welt.de/geschichte/article160308458/Deutsche-Kolonien-und-ihre-Entwicklung.html

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